Hundetrainer haben einen Job
Hundetraining ist Handwerk
In letzter Zeit fühle ich häufig eine Mischung aus Zweifel, Irritation und ab und zu auch manchmal eine Art Wut.
Häufig wird uns in der Hundeschule gesagt, wir haben ein besonderes Auge, für besondere Hunde. Ja, es ist irgendwie schmeichelhaft. Aber eigentlich sehen wir das gar nicht so.
Wir machen unseren Job.
Wir beobachten. Anschließend bewerten wir unsere Beobachtungen. Wir erkennen, warum manche Dinge so sind wie sie sind. Nicht weil wir Glaskugeln haben oder besonders viele Handwerkszeuge. Einfach aus Logik heraus. Weil wir uns Wissen und Erfahrung angeeignet haben. Eigentlich machen wir nichts Krasses.
Ich hab das Gefühl, das simple Sachen kaputt-theoretisiert werden, bis sie nicht mehr simpel sind. Solange bis Tatsachen nur noch geschriebene Definitionen sind, die man auswendig lernt ohne sie zu verstehen.
Und wenn das geschehen ist, ist das vorher totgelernte auf einmal der Standart.
…die WIRKLICH einfachen Dinge werden hier aber schon häufig übersehen.
Ohr nach vorne bedeutet “selbstbewusst”. Ohr nach hinten bedeutet “nicht selbstbewusst”.
Achtung Überraschung: Verhalten fällt nicht vom Himmel.
Wer erst hinschaut, wenn der Hund Zähne zeigt, ist zu spät. Das ist nicht der Anfang von Verhalten. Das ist das Ende.
Das “Davor” ist nichts Vages. Es ist Ausdrucksverhalten. Es ist Wissen. Davon, wie Hunde funktionieren (im Zusammenleben, in sozialen Strukturen und beim Lernen).
Hunde kommunizieren ständig.
Zugehört wird aber häufig erst, wenn sie uns ins Gesicht brüllen oder die Dinge selber regeln. Und damit meine ich laute und leise Hunde gleichermaßen.
Vorher passiert Alles.
Wohin denkt mein Hund, Wie denkt mein Hund?
Das ist kein heiliger Gral. Das ist das, was ein Hundetrainer sehen MUSS. Das ist nichts Mystisches. Das ist unser Job.
Der Hundehalter sieht es nicht, wenn es ihm keiner zeigt. Dafür gibt es Trainer.
Hunde werden in zu große Schuhe gesteckt. Die Halter in zu kleine.
Gar nicht fordern oder überfordern. Die Mitte fehlt häufig.
Manchmal macht das müde.
Und dann steht da ein Hund, der trotz allem bereit ist, nochmal mit sich reden zu lassen. Nochmal umzulernen. Obwohl er meist ständig “überarbeitet” wurde.
Das haben Hunde vielen Menschen voraus.
Genau das macht doch unseren Job so gut.
Kein Hund ist genau wie der andere. Und dennoch sind es Hunde. Keine Situation. Kein Mensch. Wenige Schablonen funktionieren. Heißt für uns Hundetrainer: hinschauen, beobachten, einordnen und nochmal von vorne.
Das Definitionen uneingeordnet rausballern ist kein Unvermögen. Es ist Gewohnheit.
Dinge werden nicht mehr hinterfragt. Büchern wird vertraut und das ist häufig ok. Aber es wird nicht ehrlich reflektiert. Nicht mehr im Kontext gedacht.
Ich bin fest davon überzeugt, das es eine blöde Hundetrainerangewohnheit ist sich hinter Definitionen zu verstecken. In dem Moment, in dem man Diese nicht versteht, sondern nur übernimmt, entstehen aber die oben genannte Situationen.
Wir müssen aufhören über Mensch/Hund Kommunikation zu reden, ohne in die Mensch/Hund – Kommunikation zu gehen.
Es ist Handwerk. Und Handwerk ist Liebe zum Detail.
